Restored Classics to Go Edition
Diese Ausgabe wurde vollständig restauriert, mit moderner Typografie, individuellem Coverdesign und korrigierter Formatierung. Der Auszug aus Die Geburt der Tragödie ist Nietzsches spätes Selbstkommentar zu seinem frühen, provokanten Erstlingswerk, das während des deutsch-französischen Krieges entstand. Er verteidigt die Schrift als mutigen, unzeitgemäßen Versuch, Wissenschaft, Kultur und das Dasein selbst unter dem Blick der Kunst neu zu befragen. Im Zentrum steht die Grundfrage, ob Pessimismus Schwäche bedeutet oder aus Stärke, Fülle und Lebensüberfluss entspringen kann. Nietzsche entwickelt dafür die Lehre von den beiden Kunsttrieben: dem Apollinischen als Prinzip von Traum, Maß und schöner Form und dem Dionysischen als Rausch, Auflösung des Individuums und Einheit mit Natur und Mitmenschen. Die attische Tragödie erscheint als höchste Verbindung beider Kräfte, getragen von Musik, Schmerz, Schönheit und tragischer Erkenntnis. Zugleich richtet sich der Text scharf gegen Sokrates, rationalen Optimismus, Utilitarismus und christliche Moral, die als lebensfeindliche Flucht vor der Wahrheit erscheinen. Euripides markiert dabei den Wendepunkt: Mit seiner verständigen, psychologisch erklärenden Kunst verdrängt er das dionysische Dunkel und leitet den Niedergang der Tragödie ein. Gegen metaphysischen Trost setzt Nietzsche schließlich eine diesseitige, heitere Bejahung des Lebens und das befreiende Lachen.
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